Nordhorn ringt um neue Ärzte

Das Podium und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kommunalwerkstatt diskutieren, wie „Gesundheitsversorgung in Nordhorn“ gesichert werden kann.

Auf dem Podium: (v.l.n.r.) Dr. Hermann Thole, Thomas Hermann, Martina Schrage und André Mülstegen.

Als Patientin oder Patient keinen Arzt zu finden ist heute in Nordhorn noch kein drängendes Problem, aber der Himmel verdüstert sich bereits. „Lösungen finden bevor es zu spät ist“, das war Anfang Dezember das Motto der „Kommunalwerkstatt 2“ der Nordhorner CDU.
„Von unseren Ärzten sind schon jetzt ca. 30% aus Nicht-EU-Ländern und weitere 10% aus EU-Ländern“, erläuterte Dr. Hermann Thole, Chefarzt der EUREGIO-KLINIK. Und ohne sie sei eine umfangreiche medizinische Versorgung nicht mehr machbar. Wer die absehbare Lücke bei den Nordhorner Hausärzten füllen soll, zeichnet sich hingegen nicht ab. „Wir müssen jetzt aktiv werden“, so André Mülstegen „und auf kommunaler Ebene Lösungen finden“. Der Bürgermeisterkandidat der CDU diskutierte deshalb über Erfahrungen, Probleme und Lösungsansätze mit Martina Schrage, Thomas Hermann und Dr. Hermann Thole, sowie den Gästen der „Kommunalwerkstatt 2“.
Gemeinschaftspraxen als Modell der Zukunft?
„Gemeinschaftspraxen könnten eine Lösung für die Zukunft sein“, so Martina Schrage, Geschäftsführerin der Hausarztpraxis Münsterland, und weiter: „Ärzte wollen nicht verwalten, sie wollen Menschen helfen“ und gerade junge Ärzte würden auch auf eine ausgewogene Work-Life-Balance achten. Als Geschäftsführerin der „Hausarztpraxis Münsterland“ hatte sie vor einigen Jahren mit ihrem Mann die Idee zur Gründung einer solchen Gemeinschaftspraxis. Von Ihren Erfahrungen profitierte nun die Diskussion der Kommunalwerkstatt. „Wir teilen uns auf und so kann auch der junge Arzt und Familienvater um 16:00 Uhr zu seinem Kind nach Hause.“ Neben eigenem Engagement und der frühzeitigen Planung sei „das A und O ein engagierter Bürgermeister“, so erläuterte Martina Schrage. Für Nordhorn bedeutet dies jetzt zu handeln, um nicht wie in der Frage der fehlenden KITA Plätze von der Realität eingeholt zu werden. „Wie werden in den nächsten fünf Jahren in Nordhorn im schlechtesten Fall bis zu 15 Hausarztstellen neu besetzen müssen“, erläuterte der Bürgermeisterkandidat der CDU André Mülstegen die Größenordnung des Problems in Nordhorn.
Noch einmal 30 sein
„Man wäre gerne noch einmal 30“, sagte Dr. Hermann Thole mit einem Lächeln auf den Lippen, denn die Zeiten für junge Mediziner hätten sich dramatisch verbessert. „Heutzutage kann ein junger Arzt zwischen fünf oder sechs offenen Stellen wählen“. Das habe dramatische Folgen. Der Kampf um die Ärzte als Fachkräfte habe längst begonnen und Nordhorn müsse aufpassen, konkurrenzfähig zu bleiben. „Wir brauchen in Nordhorn eine Stabsstelle in der Wirtschaftsförderung, die sich mit der Fachkräftegewinnung beschäftigt“, forderte André Mülstegen folgerichtig.
Studienplätze fördern
Auf ein besonderes Problem wurde aus dem Publikum aufmerksam gemacht. Viele junge Nordhornerinnen und Nordhorner fänden keinen Studienplatz in Deutschland. Die Stadt könne doch beraten und begleiten, um im Ausland zu studieren und anschließend in die Grafschaft zurückzukehren. „Ein guter Gedanke und eine mögliche Aufgabe einer neuen Stabstelle für Fachkräftegewinnung“, zeigte sich André Mülstegen für den Vorschlag offen.
Steigendes Gesundheitsbewusstsein
Ein Lob bekamen die Nordhorner Bürgerinnen und Bürger am Ende von Thomas Hermann, der auf 25 Jahre Selbständigkeit in einer physiotherapeutischen Praxis blicken kann. „Wir haben viele ältere Patienten und das Gesundheitsbewusstsein hat sich deutlich verbessert.“ Trotzdem müsse man auch präventiv arbeiten, um ältere Menschen mobil und gesund zu halten.
Hausärztemangel vorbeugen
Auf eine solide Hausärzteversorgung kann dennoch niemand verzichten und für Nordhorn heißt das jetzt aktiv zu werden. „Zu fehlendem Wohnraum und verpasstem KITA-Ausbau soll nicht auch noch ein Hausärztemangel hinzukommen. Dafür tritt die CDU Nordhorn ein“, sagte ihr Bürgermeisterkandidat André Mülstegen.